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Schülerbericht: Archäologische Museumstour durch München

Der trunkene, scheinbar schlafende Faun von Barbarini dominiert den dritten Raum der Glyptothek und gilt als das Beispiel schlechthin für die hellenistische Epoche. Bevor wir zu dieser Plastik kommen und feststellen, dass diese Skulptur eigentlich die Chronologie der Aufstellungsorte im Museum unterbricht, sollte man erstmal klären, wer „wir“ eigentlich sind. Wir, das sind die Schüler des Archäologiekurses in der Q11, die unter der Leitung von Herrn Scheller die geheimnisvolle griechische und römische Vergangenheit erforschen. Unser Kurs ist für einen Nachmittag nach München gefahren, um die Theorie, die wir im Unterricht gelernt haben, an Originalen und Abgüssen in den dortigen Museen anzuwenden, also Archäologie „zum Anfassen“ zu betreiben.

Als wir also am Königsplatz ankommen, erklärt uns Herr Scheller, dass dieser Platz in München ursprünglich im Auftrag von Ludwig I. entstand und durch den Architekten Leo von Klenze in Anlehnung an die Akropolis in Athen entworfen wurde. Bedauerlicherweise wurde der Platz mit seinen Gebäuden während des NS-Regimes zu einem Aufmarschplatz umfunktioniert und deshalb bei Kriegsende durch die Siegermächte zerstört. Erst in den 80er Jahren wurde der Königsplatz wieder neu aufgebaut, und zwar im Originalzustand.

Doch der Königsplatz war ja eigentlich nicht das Ziel unserer Exkursion, sondern die Glyptothek, die eines der Gebäude am Königsplatz ist. Die Innenarchitektur erinnert an die Bauweise der römischen Thermen, besonders durch die Decken, die als Kuppeln oder Tonnengewölbe gestaltet sind.

Jeder der Säle in der Glyptothek ist einer Epoche zugeteilt, die man chronologisch durchschreiten kann. Kommt man in den ersten Saal, befindet man sich in der Epoche der Archaik. Die archaisch lächelnden, fast unnatürlich symmetrischen Plastiken lassen hier keinen Zweifel aufkommen.

Geht man jedoch in den nächsten Raum, in dem man sich dem Faun von Barbarini gegenüber sieht, fällt uns „Experten“ gleich etwas auf. Wie wir im Unterricht gelernt haben, folgt der archaischen Epoche zeitlich die Klassik. Sie ist gekennzeichnet durch den selbstbewussten, souveränen Blick der Figuren, der das „Ich“ in den Mittelpunkt rückt. Der Faun liegt aber betrunken und schlafend auf einem Felsen und präsentiert seinen Adoniskörper. Wir wissen, dass plastische Darstellungen in der hellenistischen Zeit realer dargestellt wurden. So ist an diesem Faun künstlerisch zum Ausdruck gebracht, wie ein schöner Körper einmal „schwach“ scheint – und ist damit ein gutes Beispiel für die Ausdrucksform der hellenistischen Epoche. Damit steht die Figur, wenn man es genau nimmt und die Säle die Reihenfolge der Epochen verdeutlichen sollen, eigentlich zu früh da. Vielleicht konnten sich die Kuratoren des Museums aber einfach keinen besseren Platz für diese besondere Skulptur vorstellen als das Zentrum dieses eher kleinen intimen Raumes? Und so haben sie die Bedeutung dieser Gestalt, wie sie lustvoll förmlich hingegossen wirkt, durch ihre Platzierung noch verstärkt – ungeachtet der strengen zeitlichen Ordnung von Epochen.

Wir gehen weiter und kommen in einen Raum, der der Klassik gewidmet ist. Es befinden sich dort zahlreiche Plastiken die weitere typische Merkmale für diese Epoche aufweisen, wie unter anderem die Beinstellung im Kontrapost (Spielbein und Standbein) und die idealisierte Darstellung des menschlichen Körpers.

Aphaia Tempel
In den nächsten Räumen wird ausführlich der Aphaia-Tempel besprochen, der eine Besonderheit aufweist: Die Giebelfiguren der Westseite stammen aus der Archaik, die Figuren auf der Ostseite jedoch der Klassik. Wie uns Herr Scheller erklärt, ist die Bauzeit an der Schwelle von der Archaik zur Klassik die Ursache dafür. Interessant zu erfahren ist auch, dass die ausgestellten Überreste des Tempels aufgrund des Materials, also Marmor oder Kalkstein, einen falschen Eindruck beim Betrachter erzeugen. Die weißen Steine entsprechen nicht der Realität, denn der Aphaia-Tempel soll sehr bunt gewesen sein.

Nach den vielen Eindrücken, die wir aus der Glyptothek mitnehmen, haben wir noch das Privileg, uns die Abguss-Sammlung anzuschauen. Dort teilen wir Schüler uns in Zweier-Gruppen. Jede Gruppe präsentiert dann den Mitschülern, was sie über die zu besichtigenden Statuen sagen kann - ausgehend vom Wissen, welches sie sich zuvor im Unterricht angeeignet hatte.

Insgesamt war es ein toller Ausflug und eine schöne Erfahrung, wie sich auf einmal der manchmal sehr theoriereiche Unterricht mit Anschauung und Leben füllt.

David Bachmann, Q11

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